Wahlkampftagebuch: Junge Menschen, guter ÖPNV und Tourismus

Samstag, 24.August 2013 von

Aus dem Bund, Aus dem Kreis

Von Stefan Schmitz (Medienbetriebswirt, Euskirchen)

Was haben junge Leute, ÖPNV und Tourismus gemeinsam? Sie sind alle voneinander abhängig. Bin ich jung und hab‘ noch keinen Führerschein, fahre ich mit dem Bus oder Zug – wenn‘s den denn gibt. Habe ich eine 1A ÖPNV-Anbindung, fahre ich mit dem Bus oder Zug zur Arbeit – wenn‘s denn bezahlbar ist. Mache ich Urlaub z.B. in der Eifel, mach‘ ich drei Kreuze, wenn ich in den Bus oder Zug steigen kann, um die Urlaubsregion zu erkunden – Entspannt reisen, Auto bleibt stehen.

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Soweit die Erklärung, so gut der Gedanke. Der gesamte Kreis Euskirchen ist in genau diesen Bereichen bereits heute so gut aufgestellt wie kaum ein anderer Flächenkreis in NRW. Dennoch gibt es einige Baustellen, die dringend ausgebaut und beseitigt werden müssen und im Kern nur von der SPD vorangetrieben werden. Deshalb ist ein Wechsel am 22. September wichtig für uns alle!

Straßenbau und guter ÖPNV sind kein Widerspruch
Die Lücke der Autobahn A1 muss geschlossen werden! Das ist eine zentrale Forderung der Bürgerschaft in NRW und auch Rheinland-Pfalz – natürlich auch von der SPD. Behauptungen kleiner Gruppen von „Öko-Aktivisten“ und Grünen, ein Ausbau des ÖPNV und eine Veränderung oder ein Ausbau der bestehenden Straßeninfrastruktur machten den Lückenschluss überflüssig, ist an den Haaren herbeigezogener Mumpitz. Guter ÖPNV vor Ort bringt eine gute Anbindung der Region an die überregionalen Zentren – idealerweise mit Schiene UND Straße.

Die SPD ist und war immer DIE ÖPNV-Partei. Auch wenn sich das andere seit den 90ern auf die Fahnen schreiben. Es war die SPD, die erst vor ein paar Jahren dafür gekämpft hat, dass z.B. die Bundes-Regionalisierungsmittel für ein flächendeckendes ÖPNV-System erhalten bleiben und Bahnfahren für den Normalbürger bezahlbar bleibt. Es sind die Jusos, die den kostenlosen ÖPNV für alle fordern und Konzepte zur Umsetzung liefern. In vielen Teilen NRWs ist dank SPD-Regierung an der Struktur und Versorgung des ÖPNV einiges gemacht worden, aber sozialverträglicher geht’s immer!

Ändern muss sich auch das Klein-Klein der Verkehrsverbünde vor allem bei den sogenannten grenzüberschreitenden Verkehren. Hier gibt es zwar einen NRW-Tarif, aber gerade zufällig in meinem Falle ist der so teuer, dass sich für mich schon wieder die Frage stellt, ob mein Portemonnaie und ich nicht lieber doch mit dem Auto fahren – von der Zeitersparnis mal gar nicht zu reden! Hier muss die Politik genau hinschauen und Fehler beheben, die vor allem die großen Verbünde (absichtlich?) einbauen. Nur ein attraktiver Nahverkehr kann die Straßen entlasten und die Menschen in Bus und Bahn locken. – Eine große Wende ist hier definitiv nur mit einer SPD-geführten Bundesregierung zu erreichen!

Anmerkung: Dennoch distanziere ich mich persönlich von der Forderung der Jusos zur Abschaffung der 1. Klasse im Regionalverkehr. Schließlich ist sie die einzige zusätzliche Einnahmequelle, die zumindest im kleinen Rahmen dafür sorgt, dass der ÖPNV für die Kommunen und Pendler noch bezahlbar ist. Die Illusion, dass bei Abschaffung der 1. Klasse mehr Plätze auf hoch frequentierten Strecken geschaffen oder gar Tickets billiger werden, ist nichts als Tagträumerei ganz fernab der Realität.

Tourismus: Ein nachhaltiger Wirtschaftsfaktor für alle Kommunen im Kreis

Erschreckendes haben die beiden Tageszeitungen der Region in den vergangenen Wochen über einen Rückgang der Übernachtungszahlen und -zeiten berichtet. Traurige Erkenntnis, dass die Eifel zwar touristisch top aufgestellt, aber dennoch dem Untergang geweiht ist, weil wieder eine andere Statistik die Statistik der Statistik analysiert hat und dank tausenden von Euro Einsatz nochmal nachgerechnet werden konnte, was längst nachgerechnet wurde. Vielleicht eingeschränkt sinnvoll, aber es ist fraglich, welchen Nutzen die Bürger davon haben, wenn die Analyse die Analyse analysiert.

Die Eifel – und das schließt auch den Rest des Kreises mit ein – ist gut aufgestellt und dank vieler großer Projekte wie dem Nationalpark, dem Eifelsteig und dem Ausbau des Radwegeverkehrsnetzes ein attraktives Ziel für Jung und Alt – umgesetzt vor allem mit Beteiligung der SPD in den Landesregierungen von NRW und Rheinland-Pfalz.

Schreckensnachricht Nr. 2: Es machen mehr ältere Menschen in der Eifel Urlaub, als junge! Demografie ist hier leider das „überraschende Ereignis“, das diese Aussage begründet?! Aber nicht nur! Neben den Billigangeboten der Reiseveranstalter für nach Malle zu reisen (dank der Steuerfreiheit von Flugbenzin) ist mit Sicherheit auch das Lohnniveau für gerade viele junge Familien das Problem, sodass sogar ein Urlaub um die Ecke zum unbezahlbaren Projekt wird.

Der Tourismus (oder Fremdenverkehr, wie die etwas Älteren sagen) ist ein wichtiges Standbein. Sowohl für die Beherbergungsbetriebe, als auch für die Dienstleister jeglicher Art vor Ort. Die Investitionen in den Tourismus – vor allem gefördert aus EU-Töpfen– stärken den Wirtschaftsstandort Kreis Euskirchen und sichern auch Perspektiven für junge Familien in ihrer Heimat. Die Region ist weg vom Fremdenverkehr der 80er-Jahre, angekommen im Tourismus der heutigen Zeit, das ist gut so.

Natürlich fordert ein moderner Tourismus aber auch moderne Arbeitsplätze. Will heißen: hochqualifizierte Ausbildungsplätze für junge Leute und sichere Arbeitsplätze für fertig ausgebildete Fachkräfte zu ordentlichen Löhnen – einem Mindestlohn von 8,50 Euro. Gerade in der Hotel- und Gaststättenbranche ist dieser Mindestlohn wichtiger denn je geworden.

In den vergangenen Wochen war ich viel unterwegs im Kreis Euskirchen und habe bei jeder Gelegenheit die Servicekräfte, aber auch Geschäftsführer von Lokalen befragt. Viele Fachkräfte hatten Angst mit mir darüber zu reden, weil der Chef was mitbekommen könnte, und ich war entsetzt, als mir eine Angestellte von Ihrem Lohn von brutto 5,50 Euro und einer Wochenarbeitszeit von 49 Stunden mit Pflichtdienst an jedem Samstag und Sonntag erzählte – natürlich ohne Wochenendzuschlag, dafür habe sie ja den Dienstag frei. Trinkgeld darf sie immerhin behalten und muss so nur „ein wenig aufstocken“ am Monatsende.

Hier wirkt die SPD entgegen, denn durch einen gesetzlichen Mindestlohn würde endlich ein Riegel vor die Ausbeutung gerade von jungen Fachkräften geschoben. Das ist eine zentrale Forderung der SPD und wird nach dem 22. September umgesetzt!

Gäste, die die Region besuchen, erwarten tollen Service von freundlichen Menschen, genau wie wir es im Urlaub auch erwarten! Doch wie soll das gehen, wenn der Frust mit dem Aufstehen am Morgen beginnt und mit der Gehaltsabrechnung am Monatsende endet? Respekt vor allen Fachkräften, die das jeden Tag aushalten.

Die zentrale Forderung: Mindestlohn jetzt – für alle Branchen! Damit auch der Tourismus wieder eine berufliche Perspektive gerade für junge Familien in der Eifel ist. Denn wer kann schon von sich behaupten dort zu Leben wo andere Urlaub machen?

Der Autor:

Stefan Schmitz (31), Medienbetriebswirt, wohnt in Euskirchen, ist verheiratet und pendelt jeden Tag von Euskirchen nach Düsseldorf, wo er als Referent bei der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik in NRW e.V. (SGK NRW) arbeitet.

Er ist seit 12 Jahren in der SPD und war vor seinem Umzug in den Kreis Euskirchen von 2004-2012 Mitglied im Kreistag Vulkaneifel (Daun) und Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadt- und Verbandsgemeinderat Hillesheim. Seine politischen Schwerpunkte der letzten Jahre liegen neben dem politischen Strategiemanagement in den Bereichen Tourismus, Kultur, Sport, kommunale Finanzen und Wirtschaftsförderung.

Bei den Jusos war er 10 Jahre lang Vorsitzender der Jusos Vulkaneifel und viele Jahre im Landesvorstand der Jusos Rheinland-Pfalz aktiv, dort für die Kampagnenplanung und den Schwerpunkt Arbeitnehmerpolitik zuständig.

Kontakt über Facebook www.facebook.com/StefanSchmitz82 od. stefanschmitz82@facebook.com.

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