Wie wird eine Partei 150 Jahre alt?

Donnerstag, 23.Mai 2013 von

Aus dem Bund

Die SPD wird heute 150 Jahre alt. Und mehr als 142 Jahre hat sie ohne mich durchgehalten. Beim Festakt heute in Leipzig, im SPD-Film oder in vielen Publikationen wird an die stolze Geschichte der Sozialdemokratie erinnert. Lasalle und der “Allgemeine Deutsche Arbeiterverein”, August Bebel und die Verfolgung der SPD im Kaiserreich, Ebert und die erste deutsche Demokratie, Otto Wels und seine mutige Rede gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz, Willy Brandt als Ikone – sie alle dürfen nicht fehlen, wenn die Meilensteine der Parteigeschichte in diesen Tagen erzählt wird. Nostalgie? Selbstbeweihräucherung angesichts schlechter Umfragen? Eine Partei der Vergangenheit?

Stimmt, die Verlockung, als Genossin oder Genosse sentimental zu werden, ist groß. “Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus … Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten … Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.” Auch ich bekomme Gänsehaut, wenn ich diese Zeilen aus der Wels-Rede lese – die wohl mutigste Rede, die je in einem deutschen Parlament gehalten wurde.

Aber die SPD ist mehr als Erinnerung an einzelne historische Glanzlichter. Sie ist Garant für Demokratie, Freiheit und sozialen Zusammenhalt in Deutschland und Europa. Eine Partei, die stolz ihren 150. Geburtstag feiern kann, eine Partei, die nie ihren Namen wechseln musste, eine Partei, der in diesen Tagen (mal aufrichtig, mal aus Anstand) auch von politischen Gegnern gratuliert wird, eine solche Partei kann für die politische Kultur und unsere Demokratie nicht so schlecht gewesen sein. Dies zeigt auch, dass die SPD ihren Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität stets verbunden war. Natürlich müssen sich politische Programme und Gesetzesinitiative der jeweiligen Zeit und ihren Problemen anpassen und sicherlich hat auch die SPD so manchen politischen Fehler begangen, doch ihre Grundwerte hat sie nicht verraten: Haltung hat nichts mit Herkunft zu tun. Jeder Mensch hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Sozialer Aufstieg muss möglich sein. Mehr Miteinander, mehr Demokratie wagen.

Eines macht die SPD vielleicht besonders aus: Ihre Mitglieder! Vom Papiertiger, der Anträge um Anträge zu Parteiprogrammen erarbeitet hat, vom Kümmerer, der in seinem Stadtteil für die Schwächeren da war bis hin zu revolutionären Jusos oder ausgebufftes Polit-Profis. Wenn es Menschen gibt, die trotz Krieg und Verfolgung, Ärger über die Parteiführung und Frustrationen, Erfolgen und Niederlagen über 80 Jahre in dieser Partei dabei sind, dann bin auch ich gerne Teil der SPD.

Deshalb ist die SPD 150 Jahre alt geworden und deshalb kann sie auch noch älter werden.

Mehr zum Parteijubiläum gibt es hier: http://www.150-jahre-spd.de/

Auch im Kreis Euskirchen hat die SPD Spuren hinterlassen – am kommenden Mittwoch sprechen wir auf unserer spanennden Sommerfest darüber.

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