Inklusion – und was wir Jusos daraus machen!

Mittwoch, 8.Mai 2013 von

Aus dem Bund, Aus dem Kreis, Aus NRW

Inklusion ist wahrscheinlich einer der politischen Modebegriffe der letzten Jahre. Parteien, Sozialverbände und verschiedene Initiativen fordern immer wieder die Umsetzung von Inklusion ein. Dabei meinen sie nicht grundsätzlich das Gleiche: Mal wird der Begriff ausschließlich auf Menschen mit Behinderung bezogen, mal geht es nur um Schulpolitik und manchmal ist inklusiv das Adjektiv für eine Gesellschaftsform der Zukunft.

Was verbirgt sich hinter Inklusion?

Bei Inklusion geht es schlichtweg darum, dass jeder Mensch die Möglichkeit erhält, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen. Soziologisch grenzt sich der Inklusionsbegriff also von Exklusion, Separation und auch Integration ab (siehe Bild!).

(c) Wikipedia

Durch die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung aus dem Jahr 2006 ist der Begriff Inklusion in der politischen Öffentlichkeit präsent geworden. Diese Konvention – die Bundesrepublik Deutschland hat sie 2009 unterzeichnet – stellt kein „Sonderrecht“ für Menschen mit Behinderung dar. Sie fordert ausschließlich die selbstverständliche Umsetzung aller anerkannten Menschenrechte auch für Menschen mit körperlichen, seelischen oder geistigen Einschränkungen. Im Mittelpunkt stehen also Chancengerechtigkeit, Selbstbestimmung und aktive Teilhabe an der Gesellschaft. Gleichzeitig sollen Diskriminierung und Barrieren in sämtlichen Bereichen verhindert werden.

Inklusion als Menschenrecht ist natürlich nicht nur ein Thema für Menschen mit Behinderungen. Es ist für alle Menschen wichtig, die nicht voll und gleichberechtigt an allen Bereichen der Gesellschaft teilhaben können, etwa aufgrund ihres Alters, ihrer sexuellen Orientierung, einer Behinderung, ihrer Hautfarbe, Herkunft oder ihrer Geschlechtsidentität. Und als Menschenrecht geht Inklusion alle Menschen etwas an, nicht allein diejenigen, die ausgeschlossen sind.

 

Warum JungsozialistInnen für eine inklusive Gesellschaft streiten sollten?

Jungsozialistische Politik orientiert sich an den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Wir wollen dies durch einen sozialen und gerechten Staat mit gleichen Lebensbedingungen für alle ermöglichen. Ein freies, selbstbestimmtes Leben kann nur erreicht werden, wenn die Teilhabe an Bildung, Arbeit, sozialer Sicherheit, Kultur und Demokratie für alle Menschen unter gleichen Bedingungen möglich ist.

In den vergangenen Jahren hat sich in NRW unter Rot-Grün einiges bewegt: Die Abschaffung der Studiengebühren, eine Politik nachhaltiger Investitionen und das Credo „kein Kind zurücklassen“ im Bildungsbereich haben das Bundesland sozialer gemacht. Auf unserer Landeskonferenz im September haben wir NRWJusos Beschlüsse gefasst, die diesen Weg fortführen. Generationengerechte Daseinsvorsorge, Teilhabe ermöglichen und Perspektiven schaffen sind die Schlagworte des aktuellen Landesarbeitsprogramms.

Nehmen wir unsere Grundwerte und die derzeitige Beschlusslage ernst, so muss eine inklusive Gesellschaft Kernelement unserer politischen Zielsetzungen sein.

Dabei müssen wir das Rad an vielen Stellen überhaupt nicht neu erfinden:

  • Inklusion ist Gleichstellung! Nach wie vor werden Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert. Wir NRWJusos sind aufgefordert, weiterhin für echte Gleichstellung in allen gesellschaftlichen Bereichen zu kämpfen.
  • Inklusion ist gemeinsames Lernen! Die BildungspolitikerInnen unter uns, sollten sich fragen, ob es zu vertreten ist, dass 76,3 % aller FörderschülerInnen (Stand 2008) die Schule ohne Schulabschluss verlassen. Kinder von MigrantInnen oder aus sozial schwächeren Familien sind in Förderschulen mit den Schwerpunkten Lernen und Sprache stark überrepräsentiert. Gleiche Bildungschancen brauchen ein faires und inklusives Schulsystem. Wir NRW Jusos dürfen uns nicht auf dem Schulkonsens ausruhen, sondern müssen – gerade auch in den Kommunen vor Ort – für gemeinsames Lernen unabhängig von Herkunft, sozialer Situation, Begabung oder Handicap werben.
  • Inklusion ist gute Arbeit! Menschen mit einem Handicap gehören neben MigrantInnen und (alleinerziehenden) Frauen zu den Gruppen, die  häufig keine Arbeit in einem geregelten Beschäftigungsverhältnis finden. Die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt stellt dabei für viele Betroffene eine starke Unterforderungen dar. Wir NRWJusos sind dazu verpflichtet, weiter jegliche Formen prekärer Beschäftigung abzulehnen. Auch vermeintlich ausgeschlossene oder abgehängte Gesellschaftsgruppen haben ein Recht auf gute Arbeit und Ausbildung!
  • Inklusion ist Demokratie! Die Mitwirkung an demokratischen Entscheidungen steht längst nicht allen Menschen offen. Wir NRWJusos sollten uns dafür einsetzen, mehr Teilhabe zu ermöglichen. Neben den Fragen nach Jugendparlamenten in den Kommunen oder Mitsprachemöglichkeiten über das Internet zählt dazu auch weiterhin der Einsatz für ein kommunales Wahlrecht für MigrantInnen und das Wählen ab 16 bei Bundes- und Landtagswahlen.
  • Inklusion ist auch Behindertenpolitik! Es ist wichtig festzuhalten, dass die Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderung nur ein Baustein auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft ist. Häufig ist die Haltung der Gesellschaft eine größere Barriere als bestehende bauliche Hindernisse. Wir NRWJusos sind gefragt, wenn es darum geht, auch Menschen mit übrigens ganz unterschiedlichen Handicaps Teilhabe und Perspektiven zu ermöglichen.

 

Inklusion ganz konkret – was tun?

Einen ersten Rahmen für die Umsetzung von Inklusionsprojekten bietet der Aktionsplan „nrw inklusiv“ der Landesregierung. Besonders treffend ist das Motto: zusammenleben, zusammenlernen, zusammenfeiern, zusammensein, zusammenstudieren, zusammenspielen, zusammenarbeiten!

 

(c) Landesregierung NRW

Soll Inklusion gelingen, so spielen natürlich zunächst Kindertagesstätten und Schulen eine wichtige Rolle. Aber Inklusion kann und darf nicht nur eine Herausforderung für unser Bildungssystem sein. Es liegt auch an uns Jusos, konkrete Maßnahmen vor Ort einzufordern. Das kann vom Umbau zum barrierefreien Bahnhof über die Förderung alternativer Wohnformen für Jung und Alt auch die Fusion des Sportvereins mit dem Behindertensportverein oder die Qualitätsoffensive individuelle Förderung in einer Grundschule sein.

Weitere Infos und gut gestaltete Videos findet man bei der Aktion Mensch!

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