Doppelter Abiturjahrgang: Hochschulen schon jetzt überfordert

Samstag, 20.Oktober 2012 von

Aus NRW

Im kommenden Sommer wird nun auch Nordrhein-Westfalen mit dem doppelten Abiturjahrgang konfrontiert. Konkret heißt das, dass nochmal 45.000 Studienberechtigte mehr als dieses Jahr, bei dem schon neue Rekorde bezüglich der Studentenzahl aufgestellt wurden, auf die Hochschulen zukommen werden. Das macht insgesamt 176.000 Abiturientinnen und Abiturienten, die sich theoretisch im nächsten Sommer um ein Studium bewerben können. Doch schon jetzt sind die Hochschulen hoffnungslos überfordert.

Ab Sommer 2013 sind auch an den Gymnasien in Nordrhein-Westfalen die letzten Schülerinnen und Schüler verschwunden, die ihr Abitur nach 9 Jahren absolviert haben. Denn dann gilt auch hierzulande: an Gymnasien wird das Abitur nach 8 Jahren absolviert, während es an Gesamtschulen und einigen „Modellschulen“ weiter nach 9 Jahren abgelegt werden kann. Zurecht wird die Notwendigkeit des „G8“ grundsätzlich in Frage gestellt, denn Ziel einer ganzheitlichen Bildung sollte es eigentlich nicht sein, die Schülerinnen und Schüler im Eiltempo durch sämtliche Bildungseinrichtungen zu hetzen, weil dadurch zu wenig Räume für die persönliche Entwicklung und Entfaltung bleiben.

Doch unabhängig davon gilt es nun dafür zu sorgen, dass diese Schulreform nicht zu Lasten der jungen Leute geht, die nächstes Jahr ihr Abitur ablegen wollen. Schon heute sind die Studienplätze knapp und die meisten Universitäten hoffnungslos überfüllt, wobei die Zulassungsbeschränkungen von Jahr zu Jahr steigen und wohl im nächsten Sommer ihren Höhepunkt erreichen werden. Doch nicht nur die Abiturienten, die studieren wollen, werden vor Herausforderungen gestellt: insgesamt wird sich dies auch negativ auf den Ausbildungsmarkt auswirken. Dabei werden dann auch andere Schulabgänger mehr Schwierigkeiten bekommen, einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden, weil erwartet werden kann, dass deutlich mehr Abiturienten wie sonst sich um eine Ausbildung bemühen werden.

Die Politik hatte nun mindestens 8 Jahre Zeit, sich auf diese Veränderungen einzustellen, geschehen ist leider zu wenig. Zwar gibt es Initiativen, wonach die Universitäten sich bemühen sollen, mehr Studenten aufzunehmen, doch scheint dies fragwürdig angesichts der Tatsache, dass viele von ihnen jetzt schon überlaufen sind. Es ist also höchste Zeit, dass noch mehr Sofortmaßnahmen auf den Weg gebracht werden, damit der Abiturjahrgang 2012/2013nicht  mit dem befürchteten Chaos konfrontiert wird. Immerhin wollen einige Hochschulen bis zu 20 % mehr Studienanfänger aufnehmen als sonst, was zwar immer noch 20% sind zu wenig sind, aber immerhin eine Grundlage ist, auf die die Politik im kommenden halben Jahr aufbauen kann

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