Naziaufmarsch in Stolberg 2011 – Eine Stadt im alljährlichen Ausnahmezustand

Freitag, 15.April 2011 von

Aus NRW

Am vergangenen Samstag reiste auch eine Gruppe Jusos aus dem Kreis Euskirchen nach Stolberg im Kreis Aachen, um gegen den alljährlich dort veranstalteten Nazi-Aufmarsch zu demonstrieren. Schon die Anfahrt gestaltete sich schwierig: Für aus Köln angereiste Jusos endete die Bahnfahrt  schon in Eschweiler, da der Stolberger Bahnhof kurzfristig gesperrt wurde. Nachdem die beiden dann mit PKWs aufgelesen wurden ging die Fahrt weiter nach Stolberg. Dort war es nicht möglich mit dem Auto in den Stadtkern vorzudringen, sodass wir den PKW am Park&Ride-Platz abstellten, wo uns schon die Gegendemo des „schwaren Blocks“ empfang. Wir konnten uns mit Mühe über Seitenstraßen bis zum Stadtkern durchschlagen, was durch massive Polizeisperren deutlich erschwert wurde. Dort angelangen konnten wir die letzten Minuten der Auftaktkundgebung des örtlichen „Bündnis gegen Rechts“ verfolgen und uns am friedlichen Protestmarsch Richtung Jordanplatz beteiligen. Die Stolberger haben es verstanden auch in diesem Jahr ihren Protest wieder friedlich und kreativ zu äußern. So wurde ein mehrere hundert Meter langes Transparent über die komplette Strecke des Demonstrationszuges entrollt, an dessen Gestaltung sich im Vorfeld viele beteiligt hatten: Schulen, Kirchen, Vereine, Parteien und Verwaltung. Ein sehr schönes Bild, das zeigt, dass beim Thema Rechtsextremismus alle an einem Strang ziehen!

Leider gab es auch bei dieser Demonstration unschöne Szenen, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Während der friendlichen Demo drängten, angeblich mit Plastersteinen bewaffnete, Autonome in den Demonstrationszug, sodass dieser von der Polizei gestoppt und geteilt wurde. Nach längerer Verzögerung und einem großen Polizeiaufgebot konnte die Situation aufgeklärt werden und der Zug weitergehen.

Solche Situationen sind immer sehr unschön und zeigen, dass manche garnicht wirklich das Ziel haben friedlich gegen Nazis zu demonstrieren, sondern lediglich auf ein spannendes „Räuber und Gendarme“-Spiel mit der Polizei aus sind. Auf dem Jordanplatz angekommen, folgte ein kulturelles Abschlussprogramm, nach dem wir uns auch langsam auf den Heimweg machten. Nazis haben wir an dem Tag nicht gesehen – da hat die Polizei ganze Arbeit geleistet und ein Aufeinandertreffen und Eskalation verhindert.

Unser Fazit: Es war ein gelungener friedlicher Protest gegen Rechtsextremismus. Leider wurde auch dieser wieder von einigen Zwischenfällen überschattet, von Leuten die man dem Linksautonomen Spektrum zuordnet. Das ist schade, denn diese unpolitischen „Krawallbrüder und -schwestern“ werfen ein schlechtes Bild auf alle friedlich Demonstrierenden. Zu allem Überfluss liefern sie den Rechtsextremisten durch ihr Verhalten weiter Futter für ihre Parolen. Ausßerdem bestätigen sie die Konservativen in ihrer ablehnenden und abwertenden Haltung gegenüber linken Demonstraten und beschwören das Phantom des wütenden Linksextremismus.

Allerdings sollte man sich wirklich die Frage stellen warum solche Demonstrationszüge, wie die der Nazis in Stolberg, überhaupt genemigt werden. Man kann sich nicht vorstellen, dass es unmöglich sein soll solche Veranstaltungen aufgrund zu großer Gefahr zu untersagen. So werden jedesd Jahr viele Steuer-Euros dafür ausgegeben mit über 1000 Polizisten, 500 verfassungsfeindliche Rechtsradikale zu schützen. Daberi hat die Mehrzahl der Bevölkerung überhaupt keine Lust auf diese Nazi-Aktionen und ist nach regelrecht genervt ist vom alljährlichen Ausnahmezustand.

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5 Kommentare

  1. Super Artikel, Daniel!
    Deine Meinung zum Verhalten einiger Autonomer teile ich voll und ganz. Das ist nicht gerade förderlich für den Kampf gegen Rechts!

  2. AFA sagt:

    Hallo JUSOS, das ist rechte Hetze und entspricht nicht den Tatsachen! Die SPD und die JUSOS haben schon lange nix mehr mit emazipatorischer linker Politik zu tun, und den Namen „Sozial“ und „Sozialistisch“ sollten Ihr aus euren Partei- und Jugendverbandsnamen streichen. Da sind ja die Ju und CDU noch besser! Euch selbst abfeiern könnt ihr aber sonst auch nix! Der Typ mit der Fahne sieht aus wie bekannte Typen aus den 30ziger. Gewollt?

  3. tonio nitsche sagt:

    Ich finde das Verhalten der linksautonomen legitim, da sie nicht nur ein friedliches Zeichen setzen ,sondern den Aufmarsch der Rechten blockieren wollten. Dadurch hat sich der Aufmarsch sogar um 4 Stunden verzögert!

  4. Schon ziemlich unglaublich, in welche Ecke wir Jusos hier gerückt werden. Auch wir haben uns zahlreich an der Blockade beteiligt und damit den Aufmarsch mitverzögert und ein Zeichen gegen die Rechten gesetzt.
    Dass man sich dann solchen Beleidigungen aussetzen muss, halte ich für einen schlechten Scherz! Die Kritik bezog sich auf einige wenige Linksautonome, die aus Sicht des Autors (welche ich teile) das eigentliche Ziel von Blockade und Gegendemo aus den Augen verloren haben. Dieses Ziel war und bleibt nämlich die Bekämpfung der Rechten und nicht das unnnötige Anstacheln von Provokation und Randale.

    Um dies nochmal zu unterstreichen: Damit wollen wir JUSOS als Organisation in keinem Fall Linksautonome im Allgemeinen diffamieren oder ihre Arbeit schmälern.

  5. ArneL sagt:

    @AFA ich finde es traurig, mit welcher Polemik und fehlender Ernsthaftigkeit du diesen Artikel bewertest. Es gilt hier PARTEIUNABHÄNGIG gegen Nazis und Rechtsradikale zu demonstrieren. Wenn das für dich „rechte Hetze“ ist, dann muss ich wohl vermuten, dass ich an diesem Tag auch gegen dich demonstriert habe!

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