Super-GAU in Japan fordert Umdenken in der Atomfrage

Donnerstag, 17.März 2011 von

Aus dem Bund

Seit einigen Tagen blickt die ganze Welt mit Bangen auf Fukushima. Als ob die Naturkatastrophe in Form des größten Erdbeben Japans und einer Tsunamiwelle von über 10 Metern die schon über 10.000 Tote gefordert hat nicht schon genug war, kommt jetzt noch eine menschengemachte Atom-Katastrophe hinzu. Unvorstellbar sind wären deren Auswirkungen, wenn jetzt verstärkt radioaktives Material in die Umwelt gelangt und vom Wind in den Großraum Tokio mit 35 Millionen Menschen befördert wird. Wir alle hoffen, dass den Japanern dem ganzen Leid durch die Naturgewalten, dieses Szenario erspart bleibt.

Diese nicht vorstellbare Situation hat natürlich auch Auswirkungen auf die deutsche Atompolitik und kommt für die Regierung vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Aus hektischem Aktionismus entstand in der Regierung die Idee eines 3-monatigen Moratoriums zur Überprüfung der hiesigen Atomanlagen. Dieser Schnellschuss wirft mehrere Fragen auf:

  • Wenn jetzt hastig die Sicherheitsstandards überprüft werden, weil Sicherheit an erster Stelle stehen soll: Muss man dann annehmen, dass Sicherheit vorher nicht oberste Priorität hatte, sondern die Profitgier der großen Energieversorger?
  • Was passiert nach dem Moratorium? Ist dann nach der Überprüfung (und nach den Wahlen) wieder alles okay? Gehen dann wieder alle deutschen Reaktoren ans Netz und können die 3-monatige Pause am Ende wohl noch auf ihre schwarz-gelbe Laufzeitverlängerung obendrauf schlagen? Schließlich weiß die Kanzlerin ja jetzt schon, dass unsere AKWs die sichersten der Welt seien. Das sagen viele andere Staaten (Schweiz, Frankreich, Belgien, Schweden, etc.) übrigens auch, demnach gibt es nur „sichere“ Atomkraftwerke auf der Welt!

Für uns Jusos steht fest: Die friedliche Nutzung der Kernenergie ist weltweit gescheitert! Das beweiste Tschernobyl vor 25 Jahren und Fukoshima heute. Das beweisen auch die zahlreichen Störfälle in unseren deutschen AKWs. Und dabei sind unsere Betreiber nicht besser als TEPCO: Auch in Brunsbüttel gab es Wasserstoffexplosionen und kontrollierte Druckregulierung, nach denen Vattenvall den Reaktor weiter laufen ließ und erst nach einer Anweisung der Atomaufsichtsbehörde abgeschaltet wurde. In der Region um Krümmel gibt es eine Häufung von Leukämiefallen bei Kindern. Für die schwarz-gelbe Regierung und die Betreiber reiner Zufall. Soviel zum Thema Sicherheitsbewusstsein bei deutschen Kraftwerksbetreibern und Regierenden.

Deshalb gibt es für Deutschland nur ein klares Konzept zum Ausstieg: Der rot-grüne Atomausstieg! Dann wär unser „Pannenreaktor“ Neckarwestheim jetzt schon endgültig vom Netz und andere würden zeitnah folgen und nicht wieder hochgefahren, sodass wir in 9 Jahren endgültig und geordnet die Atomenergie verlassen hätten.

Deshalb rufen wir alle dazu auf sich an den Anti-Atomdemonstrationen in den kommenden Wochen zu beteiligen, um Druck auf die Regierung zu machen! Wichtige Aktionen teilen wir euch in unserem Terminkalender mit. Einige Aktionen wollen wir hier bereits ankündigen:

  • Montag, 21.03.2011, 18:00 Uhr, Mahnwachen (u.a. Blankenheim/Rathaus)
  • Samstag, 26.03.2011, 14:00 Uhr, Großdemonstration Köln, Deutzer Werft
  • Ostermontag, 25.04.2011, „25 Jahre Tschernobyl“ an allen AKWs in Deutschland

Weitere Infos unter ausgestrahlt.de

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Ein Kommentar

  1. Guter Artikel. Ich möchte allerdings noch auf kleine Problematik hinweisen und das sind raadioaktive Isotope für medizinische und andere Zwecke. Dafür sind Kernreaktoren nach wie vor erforderlich, allerdings natürlich in einem wesentlich kleineren Maßstab.

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