Mein erstes Mal – als Delegierte auf der Landeskonferenz in Bochum

Dienstag, 23.März 2010 von

Aus NRW

Hannelore Kraft bei der Ladeskonferenz der NRWJusos

Na gut, der Korrektheit halber muss ich schreiben „Mein erstes Mal als Ersatzdelegierte“. Darum stand auf meiner Stimmkarte unter einem dicken Eddingbalken auch der Name „Vanessa Wollenweber“. Unsere Delegierte war verhindert, sodass ich an ihrer Stelle in die Hauptstadt der Currywurst fahren durfte. Denn mitten im Ruhrpott in Bochum fand die außerordentliche Landeskonferenz der Jusos zur Vorbereitung auf die Landtagswahl statt.

(Vielleicht sollte ich meine Leser an dieser Stelle vorwarnen, dass sie besser weiter die neue Homepage untersuchen sollten, wenn sie pathetische Schilderungen anwidern – eine solche folgt nämlich).

Im Vorfeld

Delegiertenunterlagen

Für mich fing die Landeskonferenz bereits an, bevor die Türen der Jahrhunderthalle in Bochum eröffnet wurden. Die Delegiertenunterlagen, die ich eines Tages im Briefkasten fand, umfassten 77 Seiten Anträge zum Wahlkampfinhalt. Neben dem Leitantrag des Landesvorstands beschäftigte ich mich also auch mit weiteren Anträgen von Unterbezirken zu verschiedenen Themen. Und mit der Anzahl der durchgelesenen Beiträge wuchs meine Aufregung.

Bin ich dafür geeignet über diese Anträge zu entscheiden? Werde ich richtig entscheiden? – derartige Fragen kreisten in meinem Kopf herum. Gleichzeitig vermischten sie sich mit Vorfreude. Ich durfte mit zur Landeskonferenz. Die erste politische Konferenz meines Lebens – das fand ich furchtbar spannend (offensichtlich wird das Kind in mir nie sterben). Aber wegsperren musste ich es schon auf dem Weg zur Lako (die Abkürzung für Landeskonferenz, für die, die gerade auf dem Schlauch stehen, man fühlt sich so integriert, wenn man die Abkürzungen benutzt), schließlich wollte ich nicht ganz wie ein naseweiser Frischling wirken. Moritz, der männliche Delegierte, und Markus, unser Vorsitzender, nahmen mir auf der Autofahrt nach Bochum glücklicherweise meine Unsicherheit, die ich mir hoffentlich nicht anmerken ließ, indem sie über die verschiedenen Anträge sprachen und sie etwa die gleichen Gedanken hatten wie ich – puuh!

von links: Markus Ramers, ich und Moritz Völkerling

In Bochum angekommen gönnten wir uns zum Glück einen Kaffee bevor wir uns zu Lako begaben.

Angekommen

Die Jahrhunderthalle Bochums ist ein großes Backsteinhaus, innen sehr hell und einladend mit Glaswänden eingeteilt. Mit Stimmkarte und Namenschild ausgestattet suchten wir unsere Plätze in dem Konferenzraum. In dem langen Raum war ein Rednerpult vor dem Banner der NRW Jusos aufgestellt. Es war ausgerichtet auf mehrere hintereinanderliegende Tischreihen, an denen die Delegierten Platz nahmen. Das Schild mit der Aufschrift „Euskirchen“ stand in der letzten Reihe – schade. War im Endeffekt eigentlich auch egal, denn wir sahen und hörten vor allem genug.

Änderungsanträge

Auf unserem Platz lag bereits ein Packen Änderungsanträge. Diese werden spontan am Tag der Lako selbst eingereicht und beinhalten Verbesserungsvorschläge zu den vorliegenden Anträgen der Delegiertenunterlagen.

Viele Änderungsanträge warten bereits auf die Delegierten.

Auch Moritz hatte einen solchen im Schlepptau. Toll! So hatte ich mir das vorgestellt. Lauter Jungpolitiker, die miteinander reden, Erfahrungen austauschen, Anträge einreichen, Aktionen besprechen. Während Moritz seinen Antrag fertig machte, tauschte Markus mit anderen Unterbezirken Namen aus, denn an diesem Tag sollten auch die Delegierten der NRWJusos für den Bundeskongress gewählt werden.

Lasst die Spiele beginnen!

Um 10 Uhr begann die Konferenz. Ein Tagungspräsidium wurde bestimmt, über die Tagesordnung und Geschäftsordnung wurde abgestimmt – und endlich kam auch meine rote Stimmkarte zum Einsatz. Ziemlich interessantes Gefühl, wenn man mitten unter Jungpolitikern sitzt, ach nein, selbst als solcher handelt und seinen Senf zum Ablauf der Konferenz dazu geben kann, irgendwie stimmt das doch, auch wenn ich nur der Tagesordnung zustimmte.  Aber weiter im Text. Nachdem die Mandatsprüfungs- und Zählkommission gewählt wurde begrüßte Christoph Dolle, Landesvorsitzender der NRW Jusos, die Anwesenden. Er forderte uns vor allem zu engagiertem sozialdemokratischem Wahlkampf auf. Danach kam endlich Aktion für Moritz und mich auf, denn nun mussten wir die Delegierten für den Bundeskongress wählen. Vor jedem von uns lag ein DIN A3 großes Blatt, mintgrün, mit etwa 200  Namen. War ich froh, dass Markus uns sagte, wen wir am besten wählen sollten, denn ich kannte vielleicht gerade mal vier Personen dieser Liste und konnte genau 2 weitere Namen Anwesenden bei der Konferenz zuordnen. Als der Ankreuzmarathon beendet war, wurde das Mittagessen kredenzt. Lasagne! Dieser Tag hätte nicht besser werden können.

Vom großen Redenschwingen

Mit Lasagne gestärkt hörten wir dann die Rede von Hannelore Kraft, die von ihren Wahlkampfplänen berichtete und schilderte, welche Erlebnisse sie bei Besuchen von sozialen und staatlichen Einrichtungen erlebte. Besonders Zitate Jugendlicher über ihre Berufspläne und Zukunftsperspektiven waren einnehmend. Darum hätte es mich eigentlich nicht wundern dürfen, dass ich in Markus´ Augen ein feuchtes Glänzen wahrnahm als wir der Rede lauschten. Genau dafür bin ich in die Partei eingetreten. Ich will mich selbst für die Gesellschaft engagieren und ich möchte mit Menschen arbeiten, die sich selbst leidenschaftlich für ihr Funktionieren einsetzen.

Wer übertrieben linksorientierte Jugendliche bei den Jusos erwartet, die geradezu den Kommunismus neu erfinden wollen, der irrt sich zumindest im Bezug auf die Jusos in Euskirchen. Meine Meinung habe ich ziemlich schnell korrigieren müssen. Dass es allerdings solche und solche gibt, demonstrierten mir die verschiedenen Redner, die auf Hannelore Kraft folgten. Manche schwangen recht ansehnliche Wortkombinationen, andere schlugen den Anwesenden extrem politische Parolen entgegen. Anlass ihrer Reden war jedesmal der Leitantrag des Landesvorstands und die Landtagswahl. Eigentlich also nur Spielwiese für die jungen Redner, Probedurchlauf, Testbereich. Die Treffen der Jusos stehen auch unter dem Aspekt „Herantasten an Politik“, der furchtbar wichtig ist, das erkenne ich an, denn wo sonst sollte man das „Handwerk“ lernen, dennoch hatte ich das Gefühl als klappe mein rechtes Ohr bei den knapp 15 Rednern á drei Minuten irgendwann zu. In guter Erinnerung ist mir aber ein junger Herr mit Hut, Veith Lemmen, geblieben. Das Mitglied des Landesvorstands hielt eine äußerst gekonnt ironische Rede und attackierte souverän die politischen Gegner.

Einsatz für Arm und Stimmkarte

Die Berieselung der rhetorischen Übungen überstanden, kamen dann endlich nochmal mein Arm und meine Stimmkarte zum Einsatz. Zuerst wurde über die einzelnen Anträge der Unterbezirke entschieden, dabei jeweils vorerst Änderungsanträge mit Reden begründet, zur Wahl gestellt oder einfach übernommen. Letzterer Fall traf immer dann ein, wenn die Vorschläge besonders sinnig waren. Sowie der unseres Unterbezirks Euskirchens. In diesem wurde nahe gelegt, neben Studienplätzen auch verstärkt Ausbildungsstellen für die Abgänger des Doppeljahrgangs anzubieten.

Wir stimmten also fröhlich ab. Moritz und ich waren nicht immer einer Meinung, aber ich hatte das Gefühl begründet zu entscheiden, ich fühlte mich sicher. Der Leitantrag wurde einstimmig angenommen.

Alles hat ein Ende

Gegen 16.30 Uhr waren wir die meisten Anträge durchgegangen, manche werden vor den Landesvorstand getragen, was bei einigen eigentlich schade ist, da eine Diskussion über sie wahrscheinlich richtig spannend geworden wäre. Aber ich verbuche den Tag trotzdem als erfolgreich. Auch wenn ich beim Abschlussgesang nur laienhaft den Mund bewegte, weil ich „Die Internationale“ nicht auswendig kann. Na ja, das lerne ich auch noch, dauert ja noch ein bisschen bis zur nächsten Lako, bei der ich sicherlich wieder dabei sein werde, und wenn „nur“ als Gast, denn mich hat jetzt das Fieber gepackt.

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3 Kommentare

  1. markus sagt:

    Super Artikel, Sabrina! Der Juso-Haufen kommt ja recht sympathisch rüber! Scheint dir ja gefallen zu haben! Dass ich bei Hannelore Krafts Rede feuchte Augen hatte, ist aber in meiner Erinnerung verschwunden 😉

  2. Ariakan sagt:

    Wenn ein Artikel dieser Länge ohne Pause von mir durchgelesen wird, dann ist das ein großes Kompliment an den Autor 🙂 … Echt super! Ich freue mich auf deinen nächsten Artikel!

  3. Moritz sagt:

    …in meiner nicht, Markus 🙂

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